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Gynäkologie und Psychosomatik

Sie sehen ein Symbolbild mit einer Frau. Das Bild steht für den Bereich: Gynäkologie und Psychosomatik

Die moderne Medizin ist eine exakte Wissenschaft – doch in der Frauenheilkunde wird zunehmend erkannt, dass die Gesundheit des weiblichen Körpers nicht losgelöst von der Psyche betrachtet werden kann. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Bewusstsein dafür geschärft, dass viele gynäkologische Beschwerden eng mit emotionalen Belastungen, Stress und psychosomatischen Faktoren verknüpft sind.

Der Pathologe Rudolf Virchow bemerkte einst, dass er bei seinen Untersuchungen „Tausende von Körpern geöffnet habe, ohne je eine Seele zu finden“ – für ihn ein Hinweis darauf, dass es die Seele nicht gebe. Doch die moderne psychosomatische Gynäkologie sieht das anders: Eine rein körperlich orientierte Frauenmedizin kann viele Beschwerden diagnostizieren und behandeln, aber ob sie wirklich heilen kann, wenn sie die seelische Dimension außer Acht lässt, bleibt fraglich.

Eine ganzheitliche Frauen-Heil-Kunde geht über die bloße Symptomlinderung hinaus. Sie betrachtet nicht nur die körperlichen Beschwerden, sondern auch die psychischen Verletzungen, emotionalen Überforderungen und hormonellen Wechselwirkungen. Erst durch die Verbindung von Schulmedizin, psychosomatischen Erkenntnissen und naturheilkundlichen Ansätzen entsteht eine wirklich ganzheitliche Therapie für die Frauengesundheit.

Dass die Frauenheilkunde (Gynäkologie) in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten vorwiegend symptomorientiert betrieben wurde, hat Ursachen, die weit in die abendländische Geistesgeschichte zurück reichen. Das Attribut „patriarchalisch“ ist ein überstrapaziertes Reizwort. Und doch prägt die Höherbewertung des Männlichen unsere Kultur immer noch in einem stärkeren Maße, als uns bewusst ist. Ein Exkurs mag das verdeutlichen:

Alle religiösen und philosophischen Systeme dieser Welt sind sich darin einig, daß wir in einer bipolaren Welt leben. Leben spielt sich ab zwischen Tag und Nacht, hell und dunkel, männlich und weiblich, Geburt und Tod. Schon wer den letzten Satz aufmerksam liest, wird merken, daß das Helle, Männliche an erster Stelle genannt wird. Wir nennen instinktiv den Tag vor der Nacht und das Leben vor dem Tod. In der chinesischen Philosophie des Taoismus ist das anders. Er spricht relativ wertfrei von Yin und Yang. Dabei stellt er das Weibliche – Yin – sogar voran. Das Christentum hingegen spricht von Adam und Eva oder von gut und böse. In unserer Kultur herrscht eine tiefe und meist unbewußte Gleichsetzung des Weiblichen mit der dunklen Seite des Lebens, die wir ablehnen und mit deren Integration wir uns schwer tun.

Während es im Taoismus selbstverständlich ist, daß das weibliche Yin das männliche Yang braucht und umgekehrt, geht das Christentum davon aus, daß sich alles viel besser entwickelt hätte, wenn Eva, die schwache, auf das Böse hereingefallene Frau nicht gemeinsam mit der Schlange den Mann verführt hätte. In der jüdisch-christlichen Tradition wird mit dem Sündenfall die Welt in gut und böse gespalten, anstatt beide Seiten wertfrei zu betrachten und zu verstehen, daß sie einander brauchen und sich in idealer Weise ergänzen: Das Männliche als das abgebende und das Weibliche als das aufnehmende Prinzip.

Solange man die beiden Richtungsanzeiger „rechts“ und „links“ nicht wertet, hätte alles noch seine Ordnung. Rechts wird in unserer Kultur mit männlich gleichgesetzt, links hingegen mit weiblich. Die rechte Hand ist bei den meisten Menschen die aktive Hand, weshalb diese Seite dem aktiven Pol und dem männlichen Prinzip zugeordnet wird. Spricht man jedoch vom „rechten“ Weg als dem einzig richtigen und von einem „linken“ Typen als gefährlichen und bösartigen Menschen, zeigt sich sogleich unsere unbewußte Wertung. Der männliche Pol gilt als höherwertiger, weil von ihm Energien ausgehen. Der weiblich-passive Pol wird geringer geachtet, weil er Energien auf sich zieht und deshalb als „faul“ gilt. Passivität und weibliches Geschehenlassen besitzen in einer leistungsorientierten Gesellschaft wenig Wert, während männliches „Machertum“ bisweilen in einer fast naiven Weise verehrt wird. Und zwar ohne zu hinterfragen, wieviel Unheil dies in Geschichte und Gegenwart angerichtet hat und teilweise immer noch anrichtet.

Diese kulturhistorische Prägung blieb nicht ohne Einfluß auf die Medizin und damit auch auf die Gynäkologie. Die meisten Gynäkologen sind Männer. Wer den Alltag in einer gynäkologischen Klinik oder Praxis kennt, dem braucht nicht gesagt zu werden, daß dort die Datenerfassung einen wesentlich höheren Platz einnimmt als das einfühlende Gespräch. Das Gesund-„Machen“ im handwerklichen Sinne ist wertvoll und wichtig, aber es sollte ergänzt werden durch Gespräche und begleitende Therapien, die einer Frau dabei helfen, einen besseren Zugang zu ihrem Frausein zu bekommen. Je mehr sie diese Ebene spürt, desto besser wird sie auch die dort erlittenen Verletzungen wahrnehmen und ihre spezifisch weiblichen Bedürfnisse artikulieren können. Dann beginnt Heilung „von Grund auf“. Das braucht Zeit und braucht vor allem Formen der Therapie, die in einer weiblich-loslassenden Weise der Patientin den Raum geben, sich zu spüren und sich zu äußern.

Die gleichzeitige Behandlung von Körpersymptomen zusammen mit ihren dahinter liegenden seelischen Mustern ist eine Domäne der Pflanzenheilkunde. Behutsam zur Arznei weiterverarbeitete Heilpflanzen aus biologisch-dynamischem Anbau können gleichzeitig auf die körperlichen Symptome und auf die seelischen Hintergründe von Frauenleiden wirken, weshalb sie – nach Abklärung der Beschwerden durch die Frauenärztin bzw. den Frauenarzt – gut geeignet sind, funktionelle, aber auch viele organische Beschwerden zu lindern.Praktische Tipps zur Selbstbehandlung von Frauenkrankheiten mit Heilpflanzen

Praktische Tipps zur Selbstbehandlung von Frauenkrankheiten mit Heilpflanzen

Die Einnahme der im Folgenden besprochenen Heilpflanzen geschieht am besten in Form einer homöopathisch-pflanzlichen Urtinktur, die in der Apotheke rezeptfrei erhältlich ist. Die Dosierung liegt in der Regel bei 1 bis 3 mal täglich 3 bis 5 Tropfen, je nach Schwere der Beschwerden und Sensibilität der Patientin.

Alchemilla vulgaris (Frauenmantel)

Das Wesen des Frauenmantels ist Umhüllung, Behütung und Hervorbringung. Die Fältelung des Blattes bildet ein Gefäß, auf dessen Grund sich die tautropfenartige Flüssigkeit sammelt, die von den Wimpernhaaren des Blattrandes ausgeschieden wird. Die Frucht des Frauenmantels wird von einem weichen Kelchbecher umschlossen, ist mit diesem aber nicht verwachsen, wie das bei anderen Vertretern der Familie der Rosaceen der Fall ist. Die Frucht entwickelt sich geschützt wie ein Kind in einer Gebärmutter, und bewahrt dabei seine eigenen Grenzen. Insgesamt strahlt die Alchemilla etwas Empfangendes und Lebensbewahrendes aus. Diese lebensbewahrende Qualität zeigt sich auch darin, daß sie stark antioxidativ wirkende Substanzen enthält.

Alchemilla ist die Symbolpflanze für das Weibliche schlechthin. Sie steht für die Bejahung der weiblichen Rhythmen und des Frauseins.

Auf der körperlichen Ebene wirkt Alchemilla gelbkörperregulierend. Während gestagenbedingte Symptome nach Absetzen von Mönchspfefferpräparaten oft schon nach kurzer Zeit wiederkehren, harmonisiert Alchemilla das Hormonsystem dauerhafter und nachhaltiger. Man setzt sie mit Erfolg ein bei Menstruationsbeschwerden, hellem Ausfluss, Unterleibsentzündungen, PMS und zur Vor- und Nachbereitung bei Geburten. Frauenmantel bewährt sich auch als zusammenziehendes Mittel bei Blutungen und Durchfall.

Bursa pastoris (Hirtentäschel)

Bewahren, Einschränken und Umrahmen ist das Thema des Hirtentäschelkrauts. Bursa pastoris ist eine Pflanze von intensiv vibrierender innerer Lebendigkeit, die sie aber weder durch Farbe noch durch Ausstrahlung deutlich macht. Sie umfasst ihre Lebenskräfte und hält sie im Inneren fest, um dadurch ein Abfließen nach Außen und einen Verlust zu verhindern. Ihr Wesen ist konservativ-bewahrend. Das ist auch an der Form ihrer Fruchtschoten ablesbar. Sie sind wie ein Pfeil geformt, dessen Spitze nach innen, zur Pflanze hin zeigt. Damit symbolisieren sie die Richtung, in die die Lebenskräfte des Hirtentäschels strömen. Der Fluß der Kräfte geht nicht nach außen, sondern nach innen. Das tiefste Wesen dieser Pflanze besteht darin, auch nur den kleinsten Verlust an Lebenskraft zu verhindern. Damit wird das Hirtentäschel zu einer wertvollen Heilpflanze bei zu starken und unregelmäßigen Menstruationsblutungen. Es verhindert, daß eine Frau zu viel von ihrem Lebenssaft Blut und dadurch von ihrer Kraft verliert.

Für die blutstillende Wirkung des Hirtentäschels ist ein Peptid verantwortlich, das dem Hormon Oxytocin ähnlich ist.

Centaurium erythraea (Tausendgüldenkraut)

Der botanische Name des Tausendgüldenkrauts leitet sich vom Zentaur ab, einem Doppelwesen zwischen Pferd und Mensch aus der griechischen Mythologie. Im Zentauren symbolisiert sich der Zwiespalt des menschlichen Daseins zwischen Realität und Idealität. Die Pferdenatur mit ihren Instinkten und Bedürfnissen unterliegt den Gesetzen der stofflichen Welt – das Menschwesen strebt nach Kultur, Schönheit, Harmonie und höheren Werten. Dieses Wesen ist in sich selbst nicht eins, denn das Streben nach Reinheit läßt sich mit der Triebhaftigkeit des Naturwesens nicht in Harmonie bringen. Die Zerrissenheit zwischen Anspruch und Wirklichkeit kann einen Menschen unter großen inneren Druck setzen. Dies ist zum Beispiel das Thema der Magersucht, Anorexia nervosa, bei der das Hungergefühl mit einem übersteigerten Askese-Ideal im Zwist liegt. Hier hilft Centaurium, die Gegensätze zu bejahen und dadurch aufzulösen. Tausendgüldenkraut verhilft zu einer besseren Annahme der irdisch-weiblichen und Fülle verkörpernden Natur der Frau und hilft der Patientin, männliche Leistungsansprüche und ungesunde Ideale von Knabenhaftigkeit in der Körpergestalt loszulassen und zu überwinden.

Auf der pharmakologischen Ebene stehen die Bitterstoffe im Vordergrund, die über ihre kräftigende und tonisierende Qualität den Appetit anregen und die Verdauungskraft steigern.

Matricaria chamomilla (Kamille)

Geborgenheit, Aufgehobensein und Mütterlichkeit stehen im Zentrum des Kamillenwesens. Der Blütenboden der Kamille ist hoch gewölbt und zeigt, wenn man ihn in Längsrichtung aufschneidet, einen luftgefüllten Hohlraum, der spontan an ein dämpfendes Luftkissen erinnert. Dämpfung von übersteigerten Empfindungen und das Lösen von Krampfzuständen sind demgemäß die wichtigsten Eigenschaften der Kamille. Ihre ganze Gestalt, z. B. die antennenartigen Blattspitzen, symbolisieren die hohe Sensibilität dieser Pflanze. Dennoch wirkt sie nicht hypernervös. Das wird von den kräftigen Stängeln und der Weichheit ihrer Blätter verhindert. Die Kamille wirkt sanft beruhigend und vermittelt ein Gefühl von Aufgehobensein und Entspannung. Sie ist ein wertvolles Heilmittel in der Behandlung von Menstruationskrämpfen. Die Frau kann sich in ihrer Weiblichkeit entspannen und dadurch den Ablauf des Menstruationsgeschehens leichter und ohne inneren Widerstand erleben.

Achillea millefolium (Schafgarbe)

Schafgarbe stärkt das Unterscheidungsvermögen und die Bejahung der Polarität des Daseins. In ihren Blättern zeigt sie einen hohen Differenzierungsgrad. Ihr Blütenstand ist nicht gewölbt, sondern abgeflacht, so daß die Blütenstände dem Bereich von Stängel und Blatt vollständig entzogen zu sein scheinen. Das ist untypisch, da normalerweise die Blütenstände harmonisch in das Erscheinungsbild der Gesamtpflanze eingeordnet sind. Bei der Schafgarbe findet eine Polarisierung in Stängel- und Blattbereich einerseits und Blütenbereich andererseits statt.

Die Fähigkeit, Gegensätzlichkeiten wahrnehmen zu können, ist eine wichtige Voraussetzung für ein differenziertes Erfassen der Wirklichkeit. Schafgarbe ist ein wertvolles Heilmittel bei Menstruationskrämpfen, wenn eine Frau sich mit der Polarität von männlich und weiblich noch nicht ausgesöhnt hat. Schafgarbe unterstützt den Prozess, die Polarität des Geschlechtlichen zu bejahen und darin – als Frau – den eigenen Platz zu finden.

Tropaeolum maius (Kapuzinerkresse)

Lichtdurchdringung des Feuchten und Dunklen ist das Wesen der Kapuzinerkresse. Ihre Blätter sind rund wie ein Schild und haben ein Konstruktionsprinzip, das sonst nur bei Wasserpflanzen zu finden ist. Das Blatt ist nicht am Anfang, sondern in der Mitte mit dem Stiel verwachsen. Die licht- und wärmebetonten Blüten von Tropaeolum sind leuchtend gelb, strahlend orange und feurig rot. Sie werden immer wieder von den Blättern überwachsen und in den Schatten gedrängt. Die großen Blätter legen sich wie eine Wasseroberfläche über die leuchtenden Blüten. So entsteht der Eindruck einer Lichtdurchdringung des Dunklen. Tropaeolum wird bei Krankheiten eingesetzt, die durch einen Mangel an Wärme- und Lichtkräften und einen Überschuss an Feuchtem entstanden sind.

Die anthroposophische Medizin weist darauf hin, daß die zweite Zyklushälfte die „dunklere“ Hälfte des Zyklus ist, in der die Frau mit den dunkleren Seiten ihrer Seele in stärkerem Maße konfrontiert wird. Tropaeolum ist daher ein wertvolles Heilmittel in der Behandlung des Prämenstruellen Syndroms (PMS). Es reduziert die typischen Beschwerden in der zweiten Zyklushälfte und an den Tagen vor dem Einsetzen der Menstruation.

Ähnliches gilt für den Scheidenpilz. Pilze wachsen besonders gut auf toter Materie, wie man an abgefallenen und abgestorbenen Ästen im Wald gut beobachten kann. Tropaeolum als Heilmittel kann „totgestellte“ Lebensbereiche wieder mit Kraft, Licht und Energie durchdringen. Das gilt für die körperliche und seelische Ebene gleichermaßen. Auf der seelischen Ebene unterstützt Tropaeolum die Heilung der traumatischen Folgen von sexuellem Mißbrauch. Ein solches Geschehen führt fast immer dazu, daß die mißbrauchte Frau sich in ihrem Frausein als „abgestorben“ erlebt. Zusammen mit einer psychotherapeutischen Begleitung kann Tropaeolum ihr dabei helfen, diesen tief verletzten Bereich allmählich wieder mit Lebendigkeit zu füllen.

© Margret Rupprecht

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