Osteoporose

Neben Arthrose, Arteriosklerose, und Morbus Alzheimer gehört Osteoporose, eine schleichende Demineralisierung der Knochen, zu den gefürchteten Krankheiten des Alters. In ihrem Zentrum steht eine allmähliche Abnahme der Knochendichte. Dies kann zu wiederkehrenden und schlecht heilenden Knochenbrüchen sowie zu massiven Haltungsschäden führen. Doch Osteoporose ist kein Schicksal. Auch Menschen, in deren Familie Osteoporose häufig vorkommt, können viel tun, um die Entwicklung der Krankheit hinaus zu zögern, zu verlangsamen, ein Stück weit wieder rückgängig zu machen oder sogar zu verhindern. Je früher man damit anfängt, desto besser.
Wie funktioniert der Knochenstoffwechsel?
Es hält uns aufrecht und macht Bewegung erst möglich: das Skelett. Mit seinen 220 Einzelknochen macht es ungefähr 15 % des Körpergewichts aus. Gleichzeitig sind die Knochen das größte Mineraliendepot des Körpers, denn sie enthalten 99 % des gesamten im Organismus gespeicherten Calciums, 85 % des Phosphats und 50 % des Magnesiums. Knochensubstanz besteht zu 50 % aus anorganischen Materialien, zu 25 % aus organischer Grundsubstanz (Matrix) und nur etwa zu einem Viertel aus Wasser. Zwar wirken Knochen im Unterschied zu Haut, Organen oder Gefäßen hart und kompakt, doch sind sie ein höchst dynamisches Organ mit hoher Durchblutung und Stoffwechselaktivität, das ständig umgebaut und wechselnden Bedürfnissen angepasst wird. Das gesamte Knochenmaterial wird kontinuierlich ausgetauscht, nicht nur bei großen Knochenbrüchen, sondern Tag für Tag bei den tausenden mikroskopisch kleinen Minirissen, die ständig durch Druck und Zug am Knochen entstehen. Nur so kann auf Dauer die notwendige Knochendichte erhalten bleiben und dem Risiko für Knochenbrüche vorgebeugt werden.
An diesen ständigen Aufbau-, Umbau- und Abbauprozessen sind vor allem zwei Zellsysteme beteiligt: Osteoklasten und Osteoblasten. Osteoklasten sind knochenabbauende Zellen („Klasten klauen“). Sie lösen Mineralien aus dem Knochen heraus und verdauen die Knochenmatrix. Osteoblasten („Blasten bauen“) bauen den Knochen wieder auf, indem sie Knochenmatrix synthetisieren und Mineralien in diese Matrix einbauen. Etwa jeder zehnte Osteoblast wird in das Knochengewebe mit eingebaut und entwickelt sich zum Osteozyten, einer knochenüberwachenden Zelle. Osteozyten registrieren die Zug- und Druckbelastung des Knochens wie eine Kontrollstation und leiten diese Informationen an Osteoklasten und Osteoblasten weiter, die den Knochen dementsprechend stärker ab- oder auch aufbauen.
Die Aktivierung dieser Zellsysteme ebenso wie ihre Deaktivierung geschieht über Hormone (Parathormon, Progesteron, Leptin, Schilddrüsenhormone, Vitamin D), über sog. Wachstumsfaktoren, aber vor allem über den Grad an Zug und Druck, der auf jeden einzelnen Knochen ausgeübt wird. Daraus wird ersichtlich: Osteoporose ist – auch bei genetischer Veranlagung – kein Schicksal. Ihr Entstehen wird durch Inaktivität ebenso gefördert wie man ihr durch Belastung im Sinne eines altersgerechten Bewegungstrainings entgegenwirken kann. „Wer rastet, der rostet“, sagt ein Sprichwort. Umgekehrt gilt aber auch: Wer sein Skelettsystem durch Bewegung und Sport fordert, kann viel tun, um der schleichenden Demineralisation seiner Knochen frühzeitig vorzubeugen.
Osteoporose: schleichender Krankheitsverlauf
Der Abbau von Knochensubstanz geschieht lange Zeit heimlich und unbemerkt, bis es eines Tages im fortgeschritteneren Alter zu einem oder mehreren Knochenbrüchen kommt und eine Knochendichtemessung verrät, dass im Knochen schon seit Jahren Entmineralisierungsprozesse am Werk sind, die seine Stabilität schleichend reduziert und das Risiko für Brüche drastisch erhöht haben.
Bis vor einigen Jahren glaubte man noch, Osteoporose sei ein normaler und nicht zu beeinflussender Alterungsprozess, gegen den Patienten kaum etwas unternehmen können. In der Bundesrepublik gibt es etwa acht Millionen Osteoporosepatienten: jede vierte Person über fünfzig Jahren erkrankt an Osteoporose. Nur jede achte Frau erkrankt an Brustkrebs, aber jede dritte entwickelt eine Osteoporose – manche mit Knochenbrüchen vor allem an den typischen Stellen Unterarm, Oberschenkelhals und Wirbelkörper, wo es durch den Einbruch von Deck- und Grundplatten zum Rundrücken („Witwenbuckel“) kommt.
Osteoporose: Ursachen
Die Entstehung einer Osteoporose wird – vor allem bei genetischer Veranlagung –durch folgende Faktoren gefördert:
- Calciummangel durch nicht ausreichende Zufuhr mit der Nahrung
- Progesteronmangel in und nach den Wechseljahren
- Vitamin D-Mangel
- Rauchen
- chronischer Alkoholgenuss
- chronischer Konsum von zu viel Kaffee (> 4 Tassen pro Tag) und koffeinhaltigen Getränken
- Bewegungsmangel
Wenn es in der Familie bei Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern zu Osteoporoseerkrankungen kam, sind die Nachfahren immer als Risikopatienten einzustufen, denn es gibt wie bei vielen anderen Krankheitsbildern auch hier eine genetische Veranlagung, die den Ausbruch der Krankheit befördern kann – aber nicht muss! Risikopatienten sollten sich auf jeden Fall mineralstoffreich ernähren, möglichst nicht rauchen, „Calciumräuber“ wie Nikotin, Alkohol und Kaffee reduzieren und zwei bis drei mal wöchentlich ein wenig Sport treiben. Allein das ist in vielen Fällen schon ausreichend, um Knochen stark und gesund zu erhalten.
Osteoporose tritt in seltenen Fällen auch bei jüngeren Menschen auf, kann Nebenwirkung einer Cortisontherapie oder Folge einer anderen Grunderkrankung sein, vor allem im Bereich des Hormonsystems. Dazu zählen Hypogonadismus (Unterentwicklung der Geschlechtsdrüsen), Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes mellitus, Calciumaufnahmestörungen durch bestimmte Magen-Darm-Krankungen (Malabsorption, Maldigestion, Morbus Crohn, Bauchspeicheldrüseninsuffizienz, Leberzirrhose), chronische Niereninsuffizienz, Rheuma, langjährige Marcumar-Therapie, Abführmittelmissbrauch, Mineralverlust im Rahmen von häufigen Diäten und Magersucht, Vitamin D- und Vitamin C- Mangel, Übersäuerung durch langjährige Fehlernährung (siehe unten: Ernährung bei Osteoporose) sowie bei Immobilisation durch mehrwöchige Ruhigstellung oder Bettruhe. Diese Fälle verlangen eine spezifische Behandlung der Grunderkrankung durch Haus- oder Facharzt und Klinik.
Begleitende Maßnahmen aus der Naturmedizin sind aber auch in diesen Fällen sinnvoll.
Osteoporose: Symptome
Symptome treten bei Osteoporose erst spät auf und sind zunächst unspezifisch. Sie können sich als Knochen- und Muskelschmerzen äußern und vor allem bei Überanstrengung, Grippe, während der Menstruation oder als Muskelkater auftreten, so dass sie zunächst nicht mit Demineralisationsprozessen im Knochen in Verbindung gebracht werden. Arme und Beine schmerzen, fühlen sich an wie Blei, Gelenke tun weh und der Rücken macht Probleme. Typisch sind schnelle Ermüdung bei der Arbeit und bei längerem Sitzen oder ziehende Schmerzen im Rücken. Auch was zunächst wie ein Tennisarm oder ein Hexenschuss aussieht, ist möglicherweise ein Frühsymptom der Osteoporose. Das Krankheitsbild kann systemisch oder örtlich begrenzt auftreten. Vor allem Wirbelsäule, Becken und stammnahe Röhrenknochen sind besonders gefährdet. Wenn es hier zu Knochenbrüchen kommt, liegt meist schon eine manifeste Osteoporose vor. Um gezielt und frühzeitig Gegenmaßnahmen einleiten zu können, ist eine Knochendichtemessung im sechsten Lebensjahrzehnt ratsam – vor allem für Risikopatienten. Denn häufige Knochenbrüche führen in einen Teufelskreis von chronischen Schmerzen, Knochendeformationen, Verunstaltung und depressiven Verstimmungen bis hin zu Immobilität und sozialer Vereinsamung. Die Erhaltung der Knochensubstanz durch gezielte Vorbeugemaßnahmen ist für jeden älter werdenden Menschen eine Lebensaufgabe!
Osteoporose: Seelische Ursachen?
Jede Krankheit ist immer auch eine Sprache der Seele, die wir wahrnehmen und verstehen können, um von ihrer Botschaft zu lernen und diese in die Therapie zu integrieren.
Osteoporose ist ein Krankheitsbild, das sich vorwiegend ab der Lebensmitte, also in der zweiten Lebenshälfte ereignet. Die Lebensmitte ist ein Phase, die sich über viele Jahre hinzieht, eine Zeit des Umbruchs und der Umkehr. In der ersten Lebenshälfte geht alles aufwärts, wächst, vergrößert sich und nimmt an Kraft zu. Dann kommt der Umschlagpunkt. Die Kräfte nehmen ab, der Mensch wird kleiner, die Leistungsfähigkeit lässt nach. Wir gehen langsam dem Tod entgegen. Die Osteoporose als eine Erkrankung der zweiten Lebenshälfte ist so gesehen eine Erkrankung des „Heimwegs“. Was man nicht mehr in vollem Maße braucht, wird nun abgebaut. Stabile Knochen sind jetzt nicht mehr ganz so wichtig wie in jungen Jahren. Der Mensch wirft Ballast ab und macht sich leicht für den Abschied. In einem angemessenen Rahmen ist das ein normaler und natürlicher Prozess.
Geht der Knochenabbau jedoch zu rasch, steht dahinter häufig eine körperliche und geistige Bewegungsarmut. Alles, was nicht gefordert wird, baut der Körper ab. Es ist nicht gut, wenn man sich innerlich zu früh auf´s Altenteil begibt. Auch der älter werdende Mensch sollte beweglich bleiben. Dazu gehört ein altersgerechter Sport ebenso wie das Bemühen um geistige Beweglichkeit und Offenheit für neue Ideen. Auch wenn man dem Tod entgegen geht, sollte Leben dennoch bis zur letzten Minute Entwicklung sein. In diesem Sinne kann eine Osteoporose dazu anregen, sich noch einmal auf Neues einzulassen und der Lebendigkeit im eigenen Leben auch bei zunehmendem Lebensalter wieder mehr Raum zu geben.
Der Körper übernimmt manchmal eine Indikatorfunktion für ausbleibende seelische Prozesse, d. h. er erledigt das, was die Seele verweigert: Wenn Menschen im Zuge des Älterwerdens nicht loslassen können, sondern festhalten und sich an Positionen oder Güter klammern, die sie auf ihrem Weg zum Lebensende eigentlich abgeben sollten, übernimmt das Skelettsystem den notwendigen Loslassprozess und gibt kontinuierlich Calcium ab. Jetzt kann die Frage hilfreich sein: Von welchen Aspekten meines Lebens, an die ich mich allzu sehr klammere, sollte ich mich langsam verabschieden? Wo muss ich loslassen lernen? Im selben Maße, wie dieses gelingt, erübrigt sich für den Körper das Loslassen von Calcium, was sich positiv auf den Erhalt der Knochendichte auswirken kann.
Praktische Tipps zur Vorbeugung und Selbstbehandlung von Osteoporose, auch begleitend zur ärztlichen Therapie
Komplexhomöopathie
Aus der Homöopathie sind Kombinationspräparate empfehlenswert, die aus Schöllkraut, Mariendistel und Mönchspfeffer in niedriger homöopathischer Potenz zusammengesetzt sind. Diese drei Einzelmittel können sich ausgleichend auf das hormonelle Geschehen auswirken, das für die Aufrechterhaltung eines gesunden Knochenstoffwechsels verantwortlich ist. Dieser Effekt wird über zwei Wege erreicht: Schöllkraut und Mariendistel normalisieren die Funktion der Leber, die für die Regulierung auch des Knochenhormonstoffwechsels von zentraler Wichtigkeit ist. Und homöopathisch potenzierter Mönchspfeffer kann die Produktion von Geschlechtshormonen anregen, vor allem des körpereigenen und für die Knochendichte so wichtigen Progesterons, von dem nicht nur Frauen, sondern auch Männer eine ausreichende Menge brauchen.
Einzelmittelhomöopathie
Unter den Homöopathika zur Behandlung einer Osteoporose haben sich aus dem Bereich der Einzelmittelhomöopathie folgende Substanzen (als Globuli oder Tabletten) bewährt:
Aristolochia clematitis D12
bei klimakterischer Osteoporose: 1 mal täglich 1 Gabe
Calcium fluoratum D12 im täglichen Wechsel mit Strontium carbonicum D12
zur kurmäßigen Behandlung der Osteoporose bei älteren Frauen und Männern
1 x täglich 1 Gabe
Calcium phosphoricum D12
zur Verbesserung des Calciumeinbaus in die Knochen
1 mal täglich 1 Gabe
Symphytum D 12
zur Festigung des Knochens und zur Beschleunigung der Knochenbruchheilung
1 mal täglich 1 Gabe
Pflanzenheilkunde
Seit alters her schätzt man die gute Wirkung der Kalmuswurzel auf den Knochenstoffwechsel. Risikopatientinnen und Menschen mit fortgeschrittener Osteoporose sollten, sofern sie nicht unter Sodbrennen und einem übersäuerten Magen leiden, regelmäßig Kalmuswurzelzubereitungen zu sich nehmen:
Kalmuswurzeltherapie bei Osteoporose
Kalmuswurzeltee gibt es von mehreren Anbietern fertig zu kaufen. Für lose Ware aus der Apotheke gilt folgende Dosierung:
Acorus calamus, Rhizoma
1 gehäufter Tl auf 1 Tasse Wasser als Kaltauszug über Nacht stehen lassen
oder
alternativ mit kochendem Wasser aufgießen und 10 min ziehen lassen.
1 – 2 mal täglich eine Tasse vor den Mahlzeiten trinken.
Tinctura Calami (Kalmuswurzeltinktur)
ist für Berufstätige und Menschen, die viel reisen müssen, leichter zu handhaben als das Aufbrühen von Tee
Dosierung: 3 x täglich 10 Tropfen Kalmuswurzeltinktur in etwas Flüssigkeit vor den Mahlzeiten einnehmen
Ernährung zur Förderung der Knochendichte
Die Prävention der Osteoporose beginnt bereits im Kleinkindalter. Heranwachsende brauchen bis zum 25. Lebensjahr eine calciumreiche Kost, um eine maximale Knochendichte zu erreichen. Je nach Alter sollten es 500 – 1500 mg Calcium pro Tag sein. Besonders hoch ist der Calciumbedarf in Schwangerschaft und Stillzeit. Auch für Frauen im und nach dem Klimakterium ist eine ausreichende Calciumzufuhr wichtig, ebenso eine Anregung des Calciumstoffwechsels. Dies ist möglich mit dem oben genannten Calcium phosphoricum D12.
Und so sieht eine knochenfreundliche Ernährung aus:
Zuviel Milch ist kontraproduktiv, da sie neben Calcium auch Phosphat enthält, das wiederum die Calciumausscheidung über die Niere anregt. Calcium und Phosphor sind Antagonisten. Deshalb sind generell phosphatreiche Nahrungsmittel wie auch Colagetränke, Schokolade, Schmelzkäse, Fertigsaucen, -cremes- und –pudding, Fisch- und andere Konserven sowie generell Fertiggerichte zu meiden, da sie die Calciumausscheidung fördern.
Wertvolle Calciumlieferanten sind dagegen Hartkäse (Parmesan, Edamer, Emmentaler etc.), aber auch Mozzarella. Generell gilt: Je härter der Käse, desto mehr Calcium ist in ihm enthalten, jedoch nicht so viel Phosphate. Viel Calcium findet sich auch in frischem grünen Gemüse, Obst und Vollkorn-Getreideprodukten, Mohnsamen, ferner in Mineralwässern mit hohen Calciumwerten und niedrigen Phosphatwerten sowie in calciumangereicherten Fruchtsäften.
„Calciumräuber“ sind dagegen Weißbrot und weiße Nudeln, weißer Reis, oxalsäurehaltige Lebensmittel wie Spargel, Spinat und Rhabarber und generell alle übersäuernden Nahrungsmittel, z. B. rotes Fleisch.
Förderlich auf die Knochendichte wirken sich die Vitamine C und D aus. Da Vitamin C für die Proteinsynthese beim Aufbau der Knochenmatrix nötig ist, kann ein Mangel bereits zu einem Knochenverlust beitragen. Osteoporosepatienten sollten deshalb täglich und reichlich frisches Obst und Gemüse zu sich nehmen, vor allem Zitrusfrüchte, grüne Paprikaschoten, Papaya und Broccoli. Die zusätzliche Einnahme einer hypoallergenen Nahrungsergänzung mit Vitamin C ist ratsam, ebenso die Einnahme von Vitamin D. Dieses kann der Körper zwar auch selber bilden, wenn Sonne an die Haut kommt, doch im nicht sehr sonnenreichen Mittel- und Nordeuropa ist die körpereigene Vitamin D-Produktion meist nicht ausreichend – bei älteren Menschen auch deshalb nicht, weil ihre Haut ohnehin nicht mehr so viel Vitamin D bilden kann wie diejenige von jungen Menschen.
Wer schon eine reduzierte Knochendichte hat, sollte nicht rauchen, keinen oder nur wenig Kaffee trinken, weitgehend auf Alkohol verzichten, Zucker und Salz nur sehr sparsam verwenden, außerdem tierisches Eiweiß und tierisches Fett reduzieren zugunsten einer gemüsereichen Ernährung mit hochwertigen pflanzlichen Ölen, z. B. kaltgepresstes Olivenöl. Diese Ernährungsform ist basisch, d. h. reich an Mineralstoffen, während Zucker, Kaffee, Alkohol, Weißmehlprodukte und Fleisch erstens mineralstoffarm sind und zweitens eher zu einer Übersäuerung führen. Diese Säuren muss der Organismus abpuffern, wozu er sich des Calciums aus den Knochen bedient: die Abnahme an Knochendichte wird dadurch beschleunigt, während die Mineralisation des Knochens bei basischer Ernährung (Obst, Gemüse, Vollkornprodukte) unterstützt wird. Auch für den Zustand des Knochens gilt das Sprichwort: „Der Mensch ist, was er isst!“
Osteoporoseprophylaxe während und nach den Wechseljahren
Die Abnahme der Geschlechtshormone in den Wechseljahren muss nicht zwangsläufig zu Osteoporose führen. Dafür sind viele ältere Frauen, die nicht an Osteoporose erkranken, das beste Beispiel. Oftmals reicht eine abwechselungsreiche, vollwertige Ernährung kombiniert mit Gymnastik und Seniorensport völlig aus, um bis ins hohe Alter eine ausreichende Knochendichte zu behalten.
Anders sieht es bei sog. Risikopatientinnen aus, deren Mütter und Großmütter bereits an Osteoporose litten und bei denen es eine genetische Veranlagung für das Entstehen der Krankheit gibt. Bei ihnen ist eine Hormonbehandlung ab dem beginnenden fünften oder spätestens sechsten Lebensjahrzehnt ratsam.
Früher vermutete man, dass ein Östrogenmangel für das Entstehen von Osteoporose bei älteren Frauen verantwortlich ist. Eine Östrogensubstitution ist allerdings nicht unbedenklich, da eine sogenannte Östrogendominanz das Risiko für Brustkrebs erhöht. Bei Risikopatientinnen beginnt die Knochendichte außerdem oft zehn bis fünfzehn Jahre vor den Wechseljahren geringer zu werden, wenn die Östrogenwerte noch hoch sind. Ein Östrogenmangel kann also nicht die Ursache sein. Dagegen entwickeln viele Frauen bereits ab Mitte dreißig eine sogenannte Gelbkörperschwäche, also einen leichten, aber stetig zunehmenden Mangel an Progesteron. Heute weiß man, dass eine Gabe von bioidentischem Progesteron etwa ab Mitte dreißig/Anfang vierzig (und jederzeit auch später!) der Entkalkung des Knochens vorbeugen kann. Progesteron bietet außerdem im Unterschied zu den Östrogenen, darunter vor allem dem Estradiol, einen gewissen Schutz vor Brustkrebs. Manche Risikopatientinnen benötigen zusätzlich auch noch ein wenig vom Hormon DHEA, natürlich immer kombiniert mit etwas Sport und einer guten Versorgung mit den Vitaminen D, C und K sowie den Mineralien Magnesium, Calcium, Zink und Mangan.
Zum Thema Hormonersatztherapie: Frauen, die sich für eine Hormontherapie entscheiden, sollten unbedingt darauf achten, dass sie bioidentische Hormone zu sich nehmen, also Hormone, die in ihrer Molekülstruktur baugleich zu den Hormonen sind, die ihr Körper früher selber einmal produziert hat. Nur dann ist – bei richtiger Dosierung – die Therapie nebenwirkungsfrei und steigert nicht das Krebsrisiko, sondern kann sogar eine schützende Wirkung vor Krebserkrankungen entfalten.
Hormone hingegen, die aus Stutenurin gewonnen werden, oder – um patentierbar zu sein – von der Pharmaindustrie chemisch verändert wurden, führen leichter zu Nebenwirkungen als bioidentische Hormone, die aus einer Pflanze gewonnen werden: der Wilden Yamswurzel.
Wer sich über eine Bioidentische Hormontherapie informieren möchte, erfährt alles Wichtige im Buch der Ärztin für Naturheilverfahren Dr. med. Annelie Scheuernstuhl und der Heilpraktikerin Anne Hild „Natürliche Hormontherapie – Alles Wissenswerte über Hormone, die Ihre Gesundheit nebenwirkungsfrei ins Gleichgewicht bringen können“ (ISBN 978-3-89901-244-6).
Hormone können nicht von Heilpraktikern verordnet werden, da sie verschreibungspflichtig sind. Ärztinnen und Ärzte, die über Erfahrungen mit der Therapie von Bioidentischen Hormonen verfügen, findet man auf der Homepage www.dr-scheuernstuhl.de unter dem Menüpunkt „TherapeutINNen“.
Sport, Gymnastik, Haltungsschulung
Um einer Osteoporose vorzubeugen, sind keine sportlichen Höchstleistungen erforderlich. Zwei mal wöchentlich eine halbe Stunde Joggen, Rückenschwimmen oder Wassergymnastik ist ausreichend. Natürlich darf es auch ein wenig mehr sein, z. B. zusätzlich noch zehn Minuten Gymnastik pro Tag und eine gelegentliche Fahrradtour. Alle Übungen, die gegen die Schwerkraft gerichtet sind, wirken sich positiv auf die Knochendichte aus. Dazu zählen auch Treppensteigen, Nordic Walking, Tanzen, Bergwandern, Skilanglauf und altersangemessenes Gewichtheben (Hanteltraining). Die Sportarten sollten individuell ausgesucht werden, Freude machen und dürfen keine Beschwerden oder gar Schmerzen bereiten. Alle Formen des Trainings, die Zug und Druck auf den Knochen ausüben, steigern seine Festigkeit. Ein ausgewogenes und effektives Training besteht aus einer Aufwärmphase, einem moderaten Krafttraining, Dehnungs- und Gleichgewichtsübungen. Es lohnt sich, zusammen mit einem Fitnesstrainer oder Krankengymnasten ein speziell auf die eigene Leistungsfähigkeit abgestimmtes Bewegungsprogramm zu entwickeln.
Nach Knochenbrüchen oder bei schon vorhandenem Rundrücken als Folge von Wirbelkörpereinbrüchen kann die Feldenkrais- und die Alexandertechnik helfen, alltägliche Bewegungsabläufe so auszuführen, dass keine oder kaum noch Schmerzen auftreten.
Knochenbruchprophylaxe
Bei älteren Patienten ist das Vermeiden von Stürzen eminent wichtig, um Knochenbrüchen vorzubeugen. Dazu gehört eine ganze Liste an Maßnahmen. Sie reicht von Sturzanamnese über Gleichgewichtsuntersuchen bis zum Einüben des Hilfsmittelgebrauchs (Gehwagen, Stock). Dazu gehört ferner die Behandlung von Arthrose und möglichen kognitiven Defiziten, von depressiven Verstimmungen und Angst vor dem Fallen, die Behebung von Sehproblemen (neue Brille!), Verhaltens- und Reaktionstraining, eine Optimierung der Hilfsmittelversorgung und des häuslichen Umfelds (zusätzliche Treppengeländer, ebenerdige Dusche, Haltegriffe neben der Toilette) sowie die Verwendung von Hüftprotektoren zum Schutz vor Oberschenkelhalsbrüchen. Für die Betreuung alter Osteoporosepatienten hat sich eine professionelle und auf den Einzelfall abgestimmte Beratung durch einen ambulanten Pflegedienst bewährt.
© Margret Rupprecht